Thoughts on improvisation:

Vulnerable and yet powerful,
concentrated and constantly shifting,
searching for true and finding new expression,
blending into song and amorphous shapes,
serious and funny
surprised and safe
with open senses
courage and trust
old and new
serious and funny
thousands of pieces in a kaleidoscope,
so beautiful and already over.

Verletzlich und doch kraftvoll,
konzentriert und sich ständig verändernd,
nach dem echten Ausdruck suchend und einen neuen findend,
verschmelzend im Lied und ohne feste Gestalt,
einen Anfang finden und den Moment zu enden,
überrascht und sicher,
mit scharfen Sinnen,
Mut und Vertrauen,
Altes und Neues,
ernsthaft und lustig,
tausende kleine Stücke in einem Kaleidoskop,
so schön und schon vorbei.

Von wem stammen dieses schönen Worte?
Does anybody know who put it so beautifully in words?
Please let me know!

Erstaunlich, was in eine Millisekunde passt –
Winterblues bevor es Frühling wird / 
Milliseconds of doubts before spring

Hallo liebe Leserinnen und Leser!

Danke, dass Ihr da seid! Euretwegen komme ich ins Schreiben und ins Gedankensortieren. Und danke, dass Ihr mir viele schöne Gedichte geschickt habt für meine Recherchen zum Projekt „Deutsche Lyrik vertont“. Darüber habe ich mich sehr gefreut!

In diesem Brief erwarten Euch diese Themen:

  • Gedankengewitter in einer Millisekunde
  • Musiktipp gegen Winterblues
  • Gute Dynamik zwischen Menschen

Was in eine Millisekunde passt

Gerade komme ich vom Arzt. Nein, keine Sorge, nichts Schlimmes. Nur eine spezielle Untersuchung bei einem Facharzt, bei dem ich heute zum ersten Mal war.
Wahrscheinlich um mich von der Untersuchung ein bisschen abzulenken und um etwas Smalltalk zu machen, fragte er mich: Und was machen sie beruflich?Daraufhin sagte ich, ohne zu überlegen: Ich bin Sängerin.Dann lag ich da und ein stroboskopartiger Gedankenblitzhagel ging in meinem Kopf los, innerhalb der ersten Millisekunde dachte ich:
Klingt irgendwie auch cool!

Aber Moment! Sängerin? Wirklich? Bin ich gerade Sängerin? Kann ich meinen Beruf so nennen? Durch diese ganze Corona-Krise verstehe ich mich tatsächlich weniger als Sängerin, denn eine Sängerin singt und verdient Geld damit. Auf der Bühne. So ernsthaft. Und das Publikum hört zu. Es ist auf jeden Fall ein Publikum da. Jetzt denkt der Arzt bestimmt, ich lebe davon auf der Bühne zu stehen. Das stimmt ja gar nicht. Ist das nur ein Wunsch, an dem ich stur festhalte? Ist nicht „Sängerin“ auch ein bisschen einseitig und schlichtweg falsch, wenn ich betrachte, was ich de facto beruflich derzeit mache? Wenn ich aber jeden Tag singe, vielleicht auch beim Unterrichten, dann singe ich immerhin raus in die Welt. Sängerin sein bedeutet ja nicht, die schönste Stimme der Welt zu haben und dafür bezahlt zu werden zu singen. Es hat so viele Facetten zusätzlich…

Dann sagte er: Ach, interessant! Was singe sie denn?

Ich so: Jazz! Meistens. Und schob hinterher: Aber eigentlich bin ich nicht nur Sängerin, sondern Musikerin!

Er daraufhin: Ach! Was machen sie denn noch so?

Ich: Naja, ich schreibe Musik, spiele Klavier, arrangiere und gebe Unterricht.

Seine kurze Antwort: Wow! Das klingt toll! Ist aber bestimmt nicht leicht für Sie im Moment.

Genau!

Eigentlich ist es wirklich ganz schön toll! Was für einen schönen Beruf wir Musiker:innen doch haben. Ist ziemlich aufregend und auf jeden Fall für mich das, was ich liebe. Was andere vielleicht als Hobby machen, sichert mal besser oder wie im Moment mal schlechter den Lebensunterhalt und braucht Durchhaltevermögen.

Wie viele Kolleg:innen haben aufgegeben und sich andere Jobs gesucht? Es ist echt eine harte Probe für unseren Berufsstand.

Ihr merkt schon, ich bin gerade etwas nachdenklich und am Grübeln.

Jedenfalls ist mein Kopf nicht explodiert. Klar, mein Monkey Mind war mal wieder in Hochform, aber alles ging noch gut aus. Ich bin dann aufs Fahrrad gestiegen und im Sonnenschein langsam durch die Stadt gefahren. Das tat gut!

Vielleicht ist es der Winter-Blues, der mich erwischt hat. Vielleicht einfach nur Vitamin-D-Mangel!

Musiktipp

Und zum Glück gibt es Trost in schöner Musik.
Hört doch mal meinen Musiktipp gegen Winterblues:
Joni Mitchells “A Case Of You”, in der Version vom Album “Both sides now” aus dem Jahr 2000. Wunderschöne Musik, Klanglandschaften zum Eintauchen und tolle Arrangements von Vince Mendoza.

Das ganze Album ist ein Hörgenuss. In den Liner Notes zur CD beschreibt Co-Produzent Larry Klein das Album als „eine programmatische Suite, die eine Beziehung vom anfänglichen Flirt über die optimistische Vollendung bis hin zur Desillusionierung und ironischen Verzweiflung dokumentiert und schließlich in der philosophischen Übersicht über die Akzeptanz und die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Zyklus wiederholt, endet“.

Manchmal umhüllt einen die Melancholie für eine Weile beinahe wohlig und entlässt uns ganz friedlich und nach vorne schauend.

Back to normal?

Kehrt Ihr schon wieder zurück in die „Normalität“, jetzt, wo sich viele Verordnungen lockern und nach und nach vieles wieder möglich ist?  Vielleicht hängt aber die Belastung der letzten 2 Jahre Euch auch in den Knochen und ein Back-to-normal ist nicht so leicht? Immer noch ist es schwierig, faire Regeln für ein Miteinander von Geimpften und Ungeimpften zu finden. Ich höre beiden „Lagern“ zu und bin traurig über die Spaltung.

Und dann noch die Nachrichten über den Krieg in der Ukraine, dass die Fronten so verhärtet sind, dass mit Diplomatie und Gesprächen scheinbar kein friedlicher Konsens gefunden werden kann. Das ist furchtbar!

Die gute Dynamik zwischen Menschen

Wahrscheinlich habe ich gerade zu viel Zeit, mir über Dinge den Kopf zu zerbrechen, weil ich viel zu viel zu Hause bin, weil ich kaum Konzerte habe und keine Kurse gebe, weil ich nicht reise und nicht unterwegs bin und somit ein wichtiger Teil meines Jobs wegfällt, der mir Spaß macht und mich energetisch aufbaut. Der Kontakt und Austausch mit echten Menschen fehlt mir, nicht online am Bildschirm, sondern live und analog. Die Dynamik zwischen Menschen.

Jetzt könnten ja böse Zungen sagen: nach 2 Jahren muss man doch mal gelernt haben, diese Zeit alternativ zu nutzen und Arbeiten zu machen, die dann wenn es wieder normal wird, keinen Platz haben.

Ja, aber das kostet ganz schön Kraft auf Dauer. Jeder Mensch braucht doch klare Ziele und Motivation UND Strukturen, in denen sich alles einordnet, und das sind Konzerte, Momente auf der Bühne mit Publikum oder in Workshops. Hoffentlich kommen die bald wieder öfter!

Ich versuche tapfer, den Kopf über Wasser zu halten!

Schreiben, singen, üben, leben, überleben…

Warum mache ich das? Es ist der Wunsch, mich auszudrücken, inneren Welten und Gefühlen Gestalt zu geben, die Lust einzutauchen in den Flow, in die Geschichten, in den „Space“ zu kommen, wo Zeit und Raum sich auflösen. Der Spaß, zu erfinden, zu kreieren, zu verfeinern, wie eine Bildhauerin das Wesen freizulegen – und die Ergebnisse zu teilen, weil vielleicht andere Freude daran haben, z.B. mit eintauchen können, Abstand gewinnen, entspannen können oder angeregt werden zum Denken oder einfach nur zu fühlen!

In the liner notes, co-producer Larry Klein describes the album as „a programmatic suite documenting a relationship from initial flirtation through optimistic consummation, metamorphosing into disillusionment, ironic despair, and finally resolving in the philosophical overview of acceptance and the probability of the cycle repeating itself“.

Lasst uns alle den Kopf über Wasser halten und nicht untergehen und hört zwischendurch gute Musik, z.B. „Both sides now“.

Das ist melancholisch und schön zugleich.

Und bald ist Frühling! Dann wird alles besser!

Februar 2022